Kurze Röcke - große Zahlen

George W. Taylor war nicht nur ein einflussreicher amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, sondern scheint auch ein besonderes Auge für die Frauenwelt gehabt zu haben. Bereits 1926 entwickelte er die Theorie, dass die Länge der Damenröcke mit der wirtschaftlichen Entwicklung steigen und fallen würden. Der so genannte »Hemline Index« war geboren (hem = Saum).

Wissenschaftler aus den Niederlanden* haben diese Theorie im Jahr 2010 wissenschaftlich untersucht. Für die Zeit zwischen 1921 und 2009 verglichen sie die Länge der Röcke mit den Wirtschaftsdaten und konnten verkünden, dass die Theorie nicht so abwegig ist, wie sie scheint, auch wenn das Phänomen mit einer Zeitverzögerung von drei Jahren eintritt.

Heutzutage brauchen wir die Rocksäume nicht mehr, um uns über den Gesundheitszustand der Volkswirtschaften zu informieren. Wir haben ja die Medien, die Ratingagenturen und die Politiker, die jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treiben.

Trotzdem. Übersteigt nicht vieles, was in und mit der Wirtschaft passiert, das Vorstellungsvermögen eines normalen Bürgers? Diese Riesensummen beispielsweise, die immer wieder durch die Nachrichten geistern. Die Staatsverschuldung in den USA hat die schwindelerregende Höhe von 14,3 Billionen US-Dollar erreicht, melden deutsche Zeitungen. Die USA selber beziffern diese Summe auf 14.3 trillion oder 14,300 billion USD, was die Sache nicht besser macht, aber zu Verwirrung führt.

Die unterschiedlichen Einheiten hinter den Zahlen basieren auf sprachlichen Unterschieden. Eine deutsche Billion (eine 1 mit 12 Nullen) hat als so genannten falschen Freund die englische billion, die nur neun Nullen hat und somit unserer Milliarde entspricht. Verkompliziert wird das Ganze, weil sich die Engländer nicht einig sind, ob sie eher die amerikanische billion oder die deutsche Billion haben möchten.

Woher kommt dieses Kuddelmuddel? Frankreich ist Schuld! Im 15. Jahrhundert wurde dort das Wort Billion für die Zahl 10 hoch 12 eingeführt. Im 17. Jahrhundert versuchte sich Frankreich an einer Reform, nach der eine Billion nur noch neun Nullen haben sollte. Das fanden die Amerikaner, wie alles Französische aus der Zeit, wohl toll und übernahmen das System, während wir in Deutschland und England nicht so innovationsfreudig waren und lieber beim alten System blieben. Die englische Regierung beschloss jedoch in den 1970er Jahren, sich dem amerikanischen Sprachgebrauch anzuschließen (böse Zungen behaupten, weil das Land so hoch verschuldet war und Geld aus den USA leihen musste, und die Regierung mit den Nullen nicht ins Schleudern kommen wollte). Leider folgte das britische Volk nur teilweise, so dass bei Billionen aus Großbritannien besondere Vorsicht geboten ist. Aber was sind heutzutage schon ein paar Nullen?

In sehr viel kleineren Zahlen kommt die neue Aufgabe daher, die ich seit Juli übernommen habe. »Mein« Übersetzerverband, der ADÜ Nord, suchte eine neue Redakteurin für das Infoblatt, das alle zwei Monate mit einem Umfang von bescheidenen 24 Seiten erscheint und die Mitglieder mit Themen rund um das Übersetzen und die damit verbundene freiberufliche Tätigkeit auf dem Laufenden halten soll.

Da ich da, wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, ebenso gerne schreibe wie übersetze, gibt mir diese Arbeit die Möglichkeit, beides zu tun. Das erste Heft, das unter meiner Regie entstand, ist seit Mitte August fertig. Falls Sie mal einen Blick über die Tellerrand auf die Welt der Übersetzer werfen möchten, können Sie es hier herunterladen.


*The hemline and the economy: is there any match?, Marjolein van Baardwijk, Philip Hans Fransen, Econometric Institute, Erasmus School of Economics, 2010


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