Messebesuch aus Übersetzersicht

2009 war ich zwei Tage auf der iba in Düsseldorf. Für mich sind Messebesuche Fortbildung pur. Ich schaue mir Maschinen an und wie sie funktionieren, informiere mich über neue Rohstoffe und bin stets auf der Suche nach Begriffen, die in der Industrie (neu) verwendet werden und die dann Eingang in meine umfangreiche Terminologieliste finden. Ein spannendes Unterfangen, jedes Mal von neuem.

Das ungewöhnlichste englische Wort, dem ich in Düsseldorf begegnet bin, heißt »kibbler«. Es stand auf einem Banner einer amerikanischen Firma in Kombination mit »dough chunker«. Dieses ist ein Teigportionierer, das wusste ich bereits. Also fragte ich am Stand, was denn ein »kibbler« sei. Der Mitarbeiter war ratlos und gab frank und frei zu, er habe keine Ahnung, aber der Chef sei ja da und der müsse es wissen. Wusste er auch. Ein »kibbler« ist ein Teigportionierer, aber für Keksteige, die damit in kleinere Portionen geteilt werden als dies beispielsweise bei Brotteigen üblich ist.

Übrigens - das ungewöhnlichste deutsche Wort, dem ich begegnet bin, heißt »Breznstranglangwirker«.

Ansonsten beeindruckte mich die iba mit glänzenden Verkaufstheken, prall gefüllt mit ansprechend aussehenden und lecker duftenden Backwaren, mit geschäftigen Bäckern in gläsernen Bäckereien, mit blitzenden Maschinen, die Teige portionierten, ausrollten, falteten, ausstachen und buken. Die Unternehmen hatten viel Geld in die Hand nehmen müssen, um sich der internationalen Fachwelt angemessen zu präsentieren. Leider ging manches daneben. Insbesondere der Umgang mit der englischen Sprache wird immer wieder unterschätzt.

Ein Unternehmen, das in großen Lettern die besten Köpfe für seinen Vertrieb suchte, warb auf einem Riesenbanner mit »Taylor-made manufacturing«. Ob da ein Mr. Taylor für die Herstellung verantwortlich zeichnet? Ein einziger Buchstabe verwandelte den gängigen englischen Ausdruck für maßgeschneidert (»tailor-made«) in eine rätselhafte Aussage.

Einige Stände weiter mutierte eine »instant dry yeast« mal schnell zu einer gefrorenen Hefe und ein Institut traf sich selbst im Internet (»We’ll meet us at www…«). Für Verblüffung dürfte auch die Werbung auf einem Banner gesorgt haben, man könne unter anderem »mogul articles« verpacken. Jeder deutsche Fachbesucher kann sich zusammenreimen, was damit gemeint ist. Aber die Ausländer? Für die ist ein »mogul« zunächst mal der Herrscher des Mogulreiches, allenfalls vielleicht noch eine große Persönlichkeit, aber keineswegs etwa ein Gummibärchen, das mit Hilfe der Mogultechnik hergestellt wird. Hier wäre »starch deposited« oder »starch moulded« sehr viel verständlicher gewesen.

Diese Negativbeispiele zeigen, dass – gerade im Zeitdruck vor einer Messe – sprachlich versierte Fachleute, sprich Übersetzer, offenbar nicht immer zu Rate gezogen werden, und sei es nur für einen prüfenden Blick. Mit peinlichen Folgen.

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